Stellungnahme zu „Der weiße Neger Wumbaba“

Der Afrikanische Dachverband Norddeutschland e.V. (ADV-Nord e.V.) möchte sich an der seit geraumer Zeit kontrovers geführten Diskussion einer Deutung des Titels sowie der Abbildungen auf den Covern der Buchreihe „Der weiße Neger Wumbaba“ von Axel Hacke und Michael Sowa beteiligen und gibt die folgende Stellungnahme ab.

 

 

Book Cover Es ist für den Verband nicht nachvollziehbar und völlig unverständlich, dass für diese Bücher, die sich mit dem Thema des „Verhörens von verschiedenen Liedtexten“ befassen, dieser Titel und die Abbildungen eines weiß angemalten Afrikaners ausgewählt wurden. Die Verwendung des Wortes „Neger“ sowie die weiter reproduzierte Abbildung der Karikatur eines Afrikaners – Knochen im Haar, Wulstlippen und Bastrock – auf dem Buchdeckel ist für uns nicht hinnehmbar. Diese Karikatur erinnert stark an Abbildungen früherer Zeiten, von denen wir gehofft hatten, dass sie mittlerweile überwunden sind.

 

Ohne den Autoren oder dem Verlag eine explizit rassistische und stereotypisierende Haltung unterstellen zu wollen, ist es für den ADV-Nord e.V. erschreckend festzustellen, dass eine Sensibilisierung für die Nicht-Verwendung rassistisch geprägter Wörter und Bilder noch nicht in ausreichendem Maß stattgefunden hat. Das mittlerweile zu Recht aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannte Wort „Neger“ spiegelt für afrikanische Menschen nicht nur den irrtümlich überwunden geglaubten Schmerz der Sklaverei, der Unterdrückung und der Verbrechen durch den Kolonialismus sowie die Schrecken des Nationalsozialismus wieder, sondern ruft auch die Diskriminierungen, die Herabwürdigungen wach, denen schwarze Menschen immer noch alltäglich ausgesetzt sind. Der Ausdruck gehört darüber hinaus dem Sprachgebrauch von fremdenfeindlichen, rassistischen und menschenverachtenden Organisationen an, die mit der Verwendung des Wortes „Neger“ eindeutig darauf abzielen, Menschen mit dunkler Hautfarbe zu erniedrigen und zu beleidigen.

 

Der ADV-Nord e.V. setzt sich aktiv für positiv verlaufende Integrationsprozesse ein, er engagiert und beteiligt sich auch, wenn andere Organisationen und Institutionen gegen Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufrufen.
Umso bedauerlicher ist es zu erleben, dass dieses Engagement durch die Reproduktion rassistischer Stereotypen konterkariert wird.

 

Es geht dem ADV-Nord e.V. mit dieser Stellungnahme ausdrücklich nicht lediglich um einen Beitrag zur politisch korrekten Verwendung von Begriffen und Bildern, sondern um ein tiefergehendes Verständnis; es geht um eine Sensibilisierung dafür, wie beleidigend und herabwürdigend derartige Rassismen für afrikanische Menschen sind – auch dann, wenn sie „gar nicht so gemeint“ sind.

 

Wir alle, die hinter dem Verband stehen, streben eine Atmosphäre der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts für alle Teile der Gesellschaft in Deutschland an und laden die Menschen ein, sich mit rassistisch besetzten Bildern und Begriffen reflektiert und kritisch auseinander zu setzen, damit der Dialog auf Augenhöhe gewährleistet ist.

 

Hannover, im März 2010

 

Abayomi O. Bankole

Vorsitzender des ADV-Nord e. V.

 

Dr. jur. Arnaud Lionel Ngassa Djomo

Delegierter beim ADV-Nord e.V.